(K)ein Leben nach dem Tod?

Religiöse Menschen glauben daran, dass es nach ihrem physischen Tod irgendwie weitergeht. Wer in den Himmel kommt, sitzt dann auf einer Wolke und muss bis in alle Ewigkeit Harfe spielen und Hallelujjah singen. Ehrlich gesagt, kommt mir das eher wie eine Ausprägung der Hölle vor. Oder es heißt, man sieht dann alle geliebten Menschen wieder, die vorher gegangen sind. Mir fällt kein Verstorbener ein, den ich unbedingt wiedersehen möchte. Überhaupt kann ich mir kein anderes Leben vorstellen als das, welches ich momentan führe. Jedenfalls nicht dauerhaft und schon gar nicht „von Ewigkeit zu Ewigkeit“, wie es in der Bibel heißt. Vielleicht fehlt mir einfach die Fantasie, mir solche Zeiträume vorzustellen.

Natürlich habe auch ich keine Ahnung, ob danach irgendwas kommt und wenn ja was. Aber vielleicht haben diese Vorstellungen von einem „Danach“ ja auch nur mit der simplen Tatsache zu tun, dass unser Gehirn nicht in der Lage ist, das Nichts zu denken. Ich hab’s versucht. Vergeblich. Selbst ein leerer und dunkler Raum ist immer noch ein Raum.

Mein Vater hat mir die folgende Geschichte aus seiner Jugend erzählt: Ein Kumpel von ihm wäre beim Baden fast ertrunken. Nachdem der junge Mann gerettet und wiederbelebt wurde, sollen seine ersten Worte gewesen sein: „Warum habt ihr mich nicht sterben lassen? Das war so schön!“

Es gibt viele Berichte von Menschen mit Nahtoderlebnissen und fast alle ähneln sich in der Beschreibung einer schönen Erfahrung. Da ist oft die Rede von einem Tunnel, an dessen Ende ein wundervolles Licht leuchtet. Man wird ruhig und fühlt sich geborgen, ähnlich einer positiven Drogenerfahrung. Patienten, die während einer OP klinisch tot waren, haben berichtet, sie hätten außerhalb ihres Körpers unter der Decke geschwebt und alles mitbekommen, was vor sich ging – inklusive der Gespräche des Personals, die hinterher sogar bestätigt wurden. Eine Fortsetzung gibt es nicht, weil diese Leute anschließend in ihr Leben zurückgeholt wurden.

Berichte vom Höllenfeuer sind mir jedenfalls nicht untergekommen. Das lässt zumindest hoffen. Vielleicht doch nur eine Erfindung aus dem Mittelalter, damit wir alle auch recht brav sind und uns auch ja an die Regeln halten ….? Wenn es sowas wie die Hölle wirklich gibt, dann erleben wir hier auf Erden zweifellos die Gelegenheit, einen Vorgeschmack davon zu erhalten.

Womit wir es hier zu tun haben, sind m.E. keine Todeserlebnisse, es sind nur Sterbenserlebnisse. Dafür könnte es auch eine wissenschaftliche Erklärung geben. So ist etwa erwiesen, dass wir im Alltag nur einen Bruchteil unserer Hirnkapazität nutzen. Das bemerken wir, wenn wir unter extremen Bedingungen kurzfristig über uns selbst hinaus wachsen. Doch welche Erfahrung wäre extremer als die des Sterbens. Da bietet das Gehirn zu guter Letzt nochmal alles auf, was an Neuronen, Botenstoffen, Synapsen und Elektrizität verfügbar ist, bevor das alles letztlich ausgeknipst wird. Eine Art natürlicher Sebstschutz des Hirns, das über seine Dienstbarkeit hinaus ein Eigenleben führt. Aber wenn der Körper tot ist, ist auch das Gehirn tot. Und wie können wir noch wahrnehmen ohne Gehirn.

Natürlich bleibt die Energie trotzdem erhalten. Wer sich nach seinem Tod beerdigen lässt, dient künftigem Leben als Nahrung. Wer sich einäschern lässt, leistet seinen Beitrag zur CO2-Emission, die allerdings den Grünpflanzen zum Leben verhilft.
Was uns selbst betrifft: Uns selbst gibt es dann nicht mehr. Wir sind dann einfach weg!
In den letzten Tagen habe ich öfters darüber nachgedacht. Ich hätte nichts dagegen, einfach weg zu sein. Ich würde es ja nicht mal mitbekommen.

2 Gedanken zu „(K)ein Leben nach dem Tod?“

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